l)Studieren mit Kind: Wie Hochschulen Familien unterstützen
Wer ein Kind hat und gleichzeitig studiert, muss jeden Tag neu planen. Anders als in vielen anderen Ländern gibt es in Deutschland an den Hochschulen jedoch inzwischen ein breites Netz von Hilfen. Eine Umfrage unter mehreren Universitäten zeigt, dass die meisten Studierenden mit Kind vor allem drei Probleme nennen: fehlende Betreuungsplätze, wenig Zeit für das Lernen und die ständige Sorge um das Geld. Besonders schwierig wird ein Studium, wenn die Betreuung kurzfristig ausfällt, etwa bei Krankheit des Kindes oder in den Semesterferien, in denen viele Angebote geschlossen sind. Am wichtigsten ist vielen die Kinderbetreuung. An immer mehr Standorten betreiben die Studierendenwerke eigene Kitas, deren Öffnungszeiten auf den Studienbetrieb zugeschnitten sind. Weil solche Plätze aber knapp sind, konnten nicht alle Wünsche erfüllt werden; an der befragten Universität warteten im vergangenen Semester mehr als hundert Eltern auf einen Platz. Einige Hochschulen reagieren darauf mit flexiblen Lösungen. Sie richten kurzfristige Notbetreuungen ein oder vermitteln Tagesmütter, wenn eine Vorlesung oder eine Prüfung sonst nicht wahrgenommen werden könnte. Ein zweites Thema ist die Organisation des Studiums selbst. Für Eltern ist ein Studium in Vollzeit oft kaum zu schaffen, weil sie nicht jeden Tag mehrere Stunden am Campus verbringen können. Deshalb bieten Fachbereiche sogenannte Teilzeitstudiengänge an, bei denen man die Regelstudienzeit verlängern darf. Statt sechs Semestern brauchen die Studierenden dann acht oder zehn. Das bedeutet zwar ein langsameres Tempo, entlastet aber den Alltag erheblich, weil die Zahl der Prüfungen pro Semester sinkt. Auch bei Praktika und Hausarbeiten gibt es inzwischen Ausnahmen: Wer ein Kind betreut, kann Fristen verschieben lassen. Nicht zuletzt geht es ums Geld. Wer ein Kind versorgt, hat höhere Ausgaben für Wohnung, Kleidung und Betreuung. Die staatliche Studienförderung wird für Eltern deshalb aufgestockt, und es gibt zusätzliche Zuschüsse, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Daneben werben die Hochschulen mit Stipendien, die sich ausdrücklich an studierende Eltern richten. Trotzdem reicht das Geld in vielen Fällen nicht aus, und ein großer Teil der Betroffenen arbeitet nebenbei. Ein Teil der Eltern nimmt dafür zusätzlich Kredite auf oder bittet die Familie um Unterstützung. Wie erleben die Studierenden diese Angebote? In Gesprächen berichten viele, dass die Beratung hilft, sobald man sie kennt. Häufig fehle es aber an Information: Neue Studierende wüssten gar nicht, welche Unterstützung ihnen zusteht. Eine Beraterin erklärt, am Anfang sei fast niemandem klar, dass ein Teilzeitstudium möglich ist. Wer sich früh meldet, sagt sie, verliert weniger Zeit und muss seltener das Studium unterbrechen. Die Hochschulen sehen noch offene Aufgaben. Vor allem die Betreuungsplätze sollen ausgebaut werden, doch dafür fehlen Personal und Räume. Einige Universitäten setzen deshalb auf Kooperationen mit umliegenden Kindergärten oder auf Räume, in denen Eltern mit kleinen Kindern lernen können. Ob solche Modelle flächendeckend funktionieren, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Klar ist, dass Studium und Familie kein Widerspruch sein müssen — vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen stimmen.